23. Mai 2024, Kreistagssitzungssaal Darmstadt-Kranichstein

Beginn: 18:00 Uhr – Ende: ca. 20:00 Uhr

Der Anlass –es geht immerhin um die Grundlage von allem, was wir Politik-Darsteller:innen so tun– ist für mich Grund genug, mein bestes PARTEI-Outfit rauszukramen. Nicht so bei verschiedenen meist alten Männern, die in ungebügelten Hosen und ohne Krawatte kommen. Junge Männer erscheinen in ungeputzten Sneakers, einzelne in T-Shirt, Jeans und/oder Sandalen – so z.B. der frischgebackene €dU-Landtagsabgeordnete Maxi Schimmel (da reißt das Sportsakko auch nichts raus). MdL Leveringhaus (GrüNee) kommt in einer Jeans, die schmutzig erscheint. Von Menschen, denen das Grundgesetz ein üppiges Einkommen beschert, hätte ich mehr Respekt erwartet.
Die Nazis sind heute zu dritt und tuscheln abseits.

Um 17:55 Uhr schreitet Ehrengast Volker „Bouffi“ Bouffier mit hochrotem Kopf und in alle Richtungen nickend durch das gut gefüllte Foyer zum Kreistagssitzungssaal. Vize-Landrat Köhler folgt ihm suite.

Bouffis Rede ist frei und durchaus passabel. Er bezeichnet die Bundesrepublik als sozialen Rechtsstaat und spricht in der ersten Reihe Manni Pentz (€dU und hess. Minister) väterlich an, um auch ihm zu erklären, dass vier Frauen von den 61 Männern im parlamentarischen Rat die Gleichberechtigung forderten.
Lustig wird es im anschließenden Podiumsgespräch mit der greisen Kreistagsvorsitzenden Wucherpfennig, Bouffi, dem Darmstädter Regierungspräsidenten und dem Vize-Landrat zum Thema „Demokratie in der Krise?“. Nach einigen einführenden Worten kommt die Sprache auf junge Leute und deren Interesse an Politik. Wucherpfennig erzählt von ihren Nichten und Neffen, die sie mal zu Politik und ihr Engagement befragt hätte. Die junge Klimaliste-Kollegin neben mir und ich schauen uns an und schmunzeln: „Na klar. Die werden ihrer Tante sicher von ihren Ansichten erzählen…“
Kurz danach kommen Bouffi und Wucherpfennig –wie konnte es anders sein– auf das Thema Gendern zu sprechen und beklagen sich lang und breit, wie schlimm das doch sei und dass es die deutsche Sprache kaputt mache. Halblaut mache ich mich darüber lustig, dass Gendern bestimmt für den Niedergang der Demokratie verantwortlich ist. Einer Dame vor mir gefällt das wohl nicht: sie dreht sich um, schaut mich böse an und schüttelt den Kopf – ich fühle mich wieder wie 14, als meine Mama mich ungezogenen Bengel so maßregelte. Die junge Klimaliste-Kollegin neben mir lacht.
Treffend dann am Ende die lakonische Zusammenfassung des Gesprächs von VHS-Leiterin und Moderatorin Anja Simon: „Sprache verändert sich immer.“

Abschließend lädt der Landrat (heute spricht er erstaunlich kurz) die Anwesenden zum Büffet und wünscht „Guten Appetit“, was nicht nur mich etwas wundert: soll ich mich hier satt essen?
Naja, die Schlange ist lang und ich schlürfe lieber noch an einem Wein, bevor ich mich zum Büffet aufmache. Mir fällt auf, dass die Boomer, von denen ja viele gerne den Sittenverfall beklagen, fast alle das Essen statt mit den bereitgestellten Zangen mit den (ungewaschenen?) Fingern auf ihre Teller befördern. Konsequentes Handeln nach den eigenen Worten ist wohl doch nicht so wichtig.

Nachdem die Gäste satt sind, verschwinden sie auch bald. Das angepeilte –ich zitiere aus der Einladung– „Come together“ ist also schnell vorbei, und ich verabschiede mich auch.

Fazit: netter Nachmittag; leider kein Sitzungsgeld, dafür aber kostenlos Trank und Speis.

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